Stefan & Co auf wilden Wassern

von Stefan Renzler, der auch per Tel/Fax erreichbar ist: 0039-0471-664134


Schon seit Jahren wollten wir auf einem Fluß mitten durch die Prärie fahren. In diesem Juni machten wir den Traum wahr - und lernten einen einsamen und landschaftlich großartig gelegenen Fluß kennen: den Missouri River in Montana. Der Wasserstand war gut, die Strömung stetig. Obwohl Wind aus dem Westen uns vor sich herschob, paddelten wir meist gemütlich mit. Da es die Witterung erlaubte ohne Hemd zu fahren, konnten wir die Sonnenstrahlen angenehm warm auf unserer Haut fühlen. Erstaunt waren wir vor allem über die vielen Wildtiere am Ufer. Sogar einen Luchs bekamen wir zu Gesicht, aus nur 10 Metern Entfernung, als wir eine der kalkweißen Klippen bestiegen, die den Fluß einrahmen.

Dann kam die lange Fahrt per Auto in den Norden und die Befahrung des Nisutlin River im Yukon. Höhepunkt dieser Tour war die Einfahrt in die Nisutlin Bay. Der fließende Übergang des Flusses in den großen Teslinsee begeisterte uns durch das langsame Wegfallen allen festen Bodens und den vielen nistenden Vögeln: Gänse, Enten, Loons und viele andere belebten das Delta mit ihrem Geschrei.

Nun war der Thirty-Mile-River an der Reihe. Dieser Teil des Yukon besticht durch glasklares, smaragdgrünes Wasser, guter Strömung und schöner Linie in lieblicher Landschaft. Da Zeit genug zur Verfügung stand, übten wir uns im Herstellen von Steinzeitwerkzeugen wie Klingen, Pfeilspitzen und auch einem Steinbeil, mit dem wir einen 10 cm dicken Baum fällten. Oder wir trieben einfach nur in der Strömung und genossen die Sonne. Der Yukon bietet zusätzlich zur Wildnis auch Geschichte. Längs der Ufer trifft man immer wieder auf Relikte und Orte aus der Goldrausch-Zeit. Einige der Hütten sind noch in beachtlich gutem Zustand und sogar einen 100 Jahre alten Schaufelraddampfer kann man bewundern. Natürlich kletterten wir auf die alte Steuer-Brücke und reisten in unseren Gedanken bis hinunter ans Meer.

Anschließend gings zum Pelly River.Er verläßt in Faro die Zivilisation und fließt eine Woche lang durch bezaubernde bergige Landschaft, um im Granite Canyon seinen schäumenden Abschluß zu finden. Gleich unterhalb liegt eine tolle Stelle zum Hecht angeln!
Naturkost Frischer Fisch verwöhnte immer wieder unseren Gaumen, auch am Steward River. Höhepunkt hier war der Stop an der Maisy May Farm, einer Ansammlung von gut erhaltenen Blockhütten, in der vor etwa 20 Jahren Mitglieder einer religiösen Gruppe versucht hatten, fern der Zivilisation und ihrer negativen Einflüsse, ein autarkes Leben zu führen, basierend auf Viehzucht, Getreide und Ledergerbung. Die Atmosphäre dort war fast mystisch, das große, noch vollkommen intakte Wohnhaus diente uns als Unterkunft und der alte Holzofen zum Kochen und Brot backen. Die Badewanne war der ideale, weil mückenfreie Platz, zu einer Dusche aus einem eisernen Eimer. Die gesamte Siedlung lag da, als hätte man sie eben mal für ein paar Tage verlassen, das Gras war hoch genug für den Schnitt und auch im Lebensmittellager befanden sich noch ein Sack mit intaktem Weizen und einer mit Leinsamen. Nur die Stallungen und das Gerbhaus waren schon zusammengefallen. Die Krönung des Sommers sollte die Tour zum Mountain River werden. Eine Buschmaschine transportierte uns in die wilde Einsamkeit der Mackenzie Mountains. Startpunkt war der Norseman Lake, oberhalb der Baumgrenze auf etwa 1300 m Höhe gelegen. Am ersten Morgen schon wurden wir duch das laute und langanhaltende Heulen eines gigantischen Wolfes geweckt, nur ein paar hundert Meter von unserem Lager entfernt. Das war sein uriger Willkommensgruß im Reich der Wildnis.
Waschtag am McKenzie River
Noch am gleichen Tag erstiegen wir den ersten Berg, direkt oberhalb unseres Camps am See. Die dort weidenden Karibous waren so neugierig, daß sie sich ganz nahe an uns herantrauten und mit lustigen Sprüngen ihre weißen Hintern durch die Luft warfen. In der gleichen Nacht wurden wir durch ein Huhn geweckt, welches zwischen unseren Zelten herumflog und dessen Balzruf das italienische Wort prego (bitte) enthielt. Prego, prego! hallte es über den stillen See. Wir amüsierten uns köstlich. Der Transport unseres schweren Gepäcks zum Fluß war mühsam, aber wir ließen uns Zeit und gutes Essen stärkte uns. Von nun an folgten Bergsteigtage, Bootstage, und Rasttage, die meist auch zum Brot backen genutzt wurden. Die Witterung war außergewöhnlich kühl für die Gegend und die Jahreszeit, so daß wir die sonnigen Tage besonders genossen und auch für unsere und der Kleidung Wäsche nutzten. Bald schon hatten wir uns perfekt aufeinander eingespielt, alles an Land oder auf dem Wasser lief absolut reibungslos und wir hatten viel Spaß. Die Bergtouren taten unseren Beinen gut, die Landschaft ist atemberaubend in ihrer Wildheit und Einsamkeit.
Auf den McKenzie Mountains
Einmal bescherte uns starker Regen ein besonders eindrückliches Erlebnis. Ein Bach, an dessen Mündung wir unser Lager aufgeschlagen hatten, begann gegen Abend immer mehr zu einem reisenden Ungetüm anzuwachsen - und am nächsten Morgen war er vollkommen trocken. Irgendwo weiter oben hatte er sich ein neues Bett durch den Wald gewählt und mündete nun 200 Meter flußabwärts in den Mountain River. Diese vom Menschen weder gelenkte noch beherrschte Natur begeisterte uns an immer wieder aufs Neue. Auf einer besonders schönen Bergtour entdeckten wir unzählige wunderschöne Fossilien von Korallen, Fischen und anderen Meeresbewohnern, aus einer Zeit, die 350 Millionen Jahre zurückliegt.
Guten Appetit! Der Wasserstand des Flusses war dank der Regenfälle hoch, so daß wir auf seiner gesamten Länge Wildwasser bis zum 3 Schwierigkeitsgrad antrafen und in einem der 7 Canyons, die wir durchfuhren, auch eine Stelle den 4. Grad erreichte. Die Canyons waren spektakulär, der Farbenreichtum der Felsen lockte zum Fotografieren. Die Flußfahrt war aufregend und nie langweilig. Wir genossen die Aktion, und ebenso die Zeit, die wir nur entspannt auf dem Boot saßen und die Landschaft an uns vorbeitrieb. Als wir den Mackenzie River erreichten, waren auch die Bären da, prächtige Burschen mit zotteligem Fell. Nachdem der Wolf uns begrüßt hatte, war es nun ihre Aufgabe, uns zu verabschieden.
Bis zum nächsten Mal


Alle Rechte an Bild und Text liegen bei dem Author Stefan Renzler

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